Wasserpest im See und Teich: Ursachen, Folgen und richtige Maßnahmen
Wasserpest im See kann innerhalb kurzer Zeit dichte Unterwasserbestände bilden. Auch in Teichen, Kanälen und Rückhaltebecken breitet sich die Pflanze unter günstigen Bedingungen stark aus. Für Kommunen und Gewässerbetreiber kann sie dadurch zu einer Herausforderung werden – insbesondere, wenn Baden, Wassersport, technische Anlagen oder die ökologische Vielfalt beeinträchtigt werden.
Der Name „Wasserpest“ klingt zunächst nach einer unmittelbaren Gefahr für das Gewässer. Ein starker Pflanzenbestand bedeutet jedoch nicht automatisch, dass die Wasserqualität schlecht ist. In manchen Gewässern kann die zunehmende Ausbreitung sogar damit zusammenhängen, dass das Wasser klarer geworden ist und mehr Licht bis zum Gewässergrund gelangt.
Problematisch wird Wasserpest vor allem dann, wenn sie großflächige Dominanzbestände bildet, andere Wasserpflanzen verdrängt oder die Nutzung und Unterhaltung eines Gewässers erheblich erschwert.
Was ist Wasserpest?
Als Wasserpest werden verschiedene untergetaucht wachsende Wasserpflanzen bezeichnet. In Deutschland kommen insbesondere die Kanadische Wasserpest (Elodea canadensis) und die Schmalblättrige beziehungsweise Nuttall-Wasserpest (Elodea nuttallii) vor.
Beide Arten stammen ursprünglich aus Nordamerika und haben sich inzwischen in zahlreichen europäischen Gewässern etabliert. Die Schmalblättrige Wasserpest steht seit dem 2. August 2017 auf der europäischen Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung.
Wasserpest wächst vollständig untergetaucht. Ihre langen und dicht beblätterten Sprosse können mehrere Meter erreichen. Die Pflanzen sind meist hell- bis dunkelgrün und bilden bei günstigen Bedingungen große zusammenhängende Bestände unterhalb der Wasseroberfläche.
Die Schmalblättrige Wasserpest besitzt schmale, häufig leicht zurückgebogene Blätter, die meist in Dreierquirlen um den Stängel angeordnet sind. Da sie leicht mit anderen Wasserpflanzen verwechselt werden kann, sollte eine sichere Bestimmung im Zweifelsfall durch fachkundige Personen erfolgen.
Wo kommt Wasserpest vor?
Wasserpest wächst vor allem in Süßwasser. Sie kommt sowohl in stehenden als auch in langsam fließenden Gewässern vor, beispielsweise in:
- Seen und Stauseen
- Stadt- und Parkteichen
- Baggerseen
- Kanälen
- langsam fließenden Flüssen
- Rückhaltebecken
- größeren Gartenteichen
Besonders günstige Bedingungen findet sie in relativ klarem Wasser, in dem ausreichend Sonnenlicht bis in die bewachsenen Bereiche vordringen kann. Auch geeignete Sedimente und eine ausreichende Nährstoffverfügbarkeit können das Pflanzenwachstum unterstützen.
Warum breitet sich Wasserpest so schnell aus?
Ein entscheidender Grund für die schnelle Ausbreitung ist ihre vegetative Vermehrung. Die Pflanze muss nicht zwingend Samen bilden, um neue Bestände aufzubauen.
Schon kleine abgebrochene Stängelstücke können weitertransportiert werden und an einer anderen Stelle erneut anwachsen. Pflanzenfragmente können sich mit der Strömung und den Wellen ausbreiten oder durch Boote, Angelgeräte und andere Wassersportausrüstung in weitere Gewässer gelangen. Auch eine Verbreitung durch Wasservögel wird als möglich angesehen.
Das führt zu einem besonderen Problem bei der mechanischen Entfernung: Werden die Pflanzen lediglich zerschnitten und die Bruchstücke nicht vollständig aus dem Wasser entnommen, kann die Maßnahme unbeabsichtigt zur weiteren Verteilung beitragen.
Ist Wasserpest ein Zeichen für schlechte Wasserqualität?
Nicht zwangsläufig. Ein starker Wasserpestbestand kann auch in vergleichsweise klaren Gewässern auftreten.
Der Ruhrverband beschreibt die Massenentwicklung von Wasserpflanzen in den Ruhrstauseen beispielsweise als indirektes Zeichen einer hohen Wasserqualität. Durch die verbesserte Abwasserreinigung wurde das Wasser dort klarer. Dadurch gelangt mehr Licht in tiefere Bereiche, was gute Wachstumsbedingungen für Unterwasserpflanzen schafft.
Eine starke Ausbreitung sollte deshalb nicht vorschnell als Beweis für eine Gewässerverschmutzung interpretiert werden. Entscheidend ist der gesamte Zustand des Gewässers:
- Wie klar ist das Wasser?
- Welche Nährstoffeinträge bestehen?
- Welche weiteren Pflanzenarten kommen vor?
- Wie entwickeln sich Temperatur, pH-Wert und Sauerstoffhaushalt?
- Gibt es Veränderungen gegenüber den Vorjahren?
- Wird die ökologische oder praktische Nutzung beeinträchtigt?
Erst die gemeinsame Betrachtung dieser Faktoren ermöglicht eine fundierte Einordnung.
Welche positiven Funktionen erfüllt Wasserpest?
Trotz ihres problematischen Namens ist Wasserpest nicht grundsätzlich schädlich. Wie andere Unterwasserpflanzen ist sie Bestandteil des Lebensraums Gewässer.
Wasserpflanzen können:
- Fischen und Kleinstlebewesen Schutz bieten,
- als Nahrungsquelle dienen,
- Strukturen und Rückzugsräume im Gewässer schaffen,
- gelöste Nährstoffe in ihrer Biomasse binden,
- während der Photosynthese Sauerstoff produzieren.
Auch die Schmalblättrige Wasserpest wird von verschiedenen Fischen, Vögeln und Kleinstlebewesen als Lebensraum oder Nahrung genutzt. Sie ist nach Angaben des Ruhrverbands nicht giftig. Die Hauptprobleme entstehen nicht durch eine direkte Giftwirkung, sondern durch ihre massenhafte Ausbreitung und die daraus entstehenden Nutzungskonflikte.
Wann wird Wasserpest zum Problem?
Einzelne Bestände müssen nicht automatisch entfernt werden. Handlungsbedarf kann jedoch entstehen, wenn sich die Wasserpest so stark ausbreitet, dass ökologische Funktionen oder die Nutzung des Gewässers beeinträchtigt werden.
Einschränkungen für Badebetrieb und Wassersport
Dichte Pflanzenbestände können das Schwimmen erschweren und sich an Beinen, Paddeln, Rudern oder Bootsmotoren verfangen. Auch Segeln, Kanufahren, Rudern und Angeln können erheblich beeinträchtigt werden.
In stark genutzten Seen müssen deshalb teilweise bestimmte Bereiche regelmäßig freigeschnitten werden. In den Ruhrstauseen werden hierfür unter anderem spezielle Mähboote eingesetzt.
Verdrängung anderer Wasserpflanzen
Wenn Wasserpest sehr dichte Dominanzbestände bildet, kann sie Raum, Licht und weitere Ressourcen beanspruchen, die anderen Pflanzenarten dann nicht mehr zur Verfügung stehen.
Die Auswirkungen auf die Artenvielfalt können je nach Gewässer unterschiedlich ausfallen. Deshalb sollte nicht allein anhand des Vorhandenseins von Wasserpest entschieden werden, ob eine Bekämpfung notwendig ist.
Probleme bei der Gewässerunterhaltung
Große Pflanzenmengen können Einläufe, technische Anlagen, Wehre und Uferbereiche beeinträchtigen. Abgerissene Pflanzenteile können verdriften und sich an Engstellen oder technischen Einrichtungen sammeln.
Für Kommunen und Betreiber entstehen dadurch zusätzliche Kosten für Mahd, Bergung, Transport und Verwertung des Pflanzenmaterials.
Sauerstoffverbrauch beim Abbau großer Pflanzenmengen
Sterben im Spätsommer oder Herbst große Mengen an Wasserpflanzen ab, wird das Pflanzenmaterial durch Mikroorganismen zersetzt. Dieser Abbau verbraucht Sauerstoff.
Generell können große Mengen abgestorbener Pflanzen- und Algenbiomasse den Sauerstoffhaushalt eines Gewässers belasten. Ob daraus tatsächlich ein kritischer Sauerstoffmangel entsteht, hängt jedoch von zahlreichen Faktoren wie Wassertemperatur, Wassermenge, Durchmischung und vorhandener Biomasse ab.
Kann man Wasserpest dauerhaft bekämpfen?
Eine vollständige und dauerhafte Entfernung ist häufig schwierig. Besonders in großen Gewässern können sich bereits etablierte Bestände nach einer Mahd schnell regenerieren.
Das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen weist darauf hin, dass Mahd und Schleppsensen häufig nur kurzfristig wirken. In beobachteten Fällen hatten sich Bestände der Schmalblättrigen Wasserpest bereits nach etwa vier Wochen wieder regeneriert. Eine vollständige Entfernung ist mit den bekannten mechanischen Maßnahmen in der Regel nicht zu erreichen.
Das Ziel sollte deshalb nicht immer die vollständige Beseitigung sein. Je nach Gewässer kann ein gezieltes Bestandsmanagement sinnvoller sein.
Welche Maßnahmen gegen Wasserpest sind möglich?
Welche Maßnahme geeignet ist, hängt von der Größe und Nutzung des Gewässers, der betroffenen Pflanzenart, dem Umfang des Bestands und den ökologischen Rahmenbedingungen ab.
1. Frühzeitig beobachten und kartieren
Kleine Bestände lassen sich leichter kontrollieren als großflächige Pflanzenteppiche. Deshalb sollte dokumentiert werden:
- Wo tritt die Wasserpest auf?
- Wie groß ist der Bestand?
- Wie verändert er sich über die Saison?
- Welche Wassertiefen sind betroffen?
- Werden sensible oder stark genutzte Bereiche beeinträchtigt?
Eine regelmäßige Kartierung hilft dabei, Maßnahmen gezielt zu planen, statt das gesamte Gewässer pauschal zu bearbeiten.
2. Pflanzen vorsichtig mechanisch entfernen
In kleineren Gewässern können Pflanzen vorsichtig von Hand oder mit geeigneten Werkzeugen entfernt werden. Dabei sollten möglichst wenige Stängelstücke entstehen.
Das entnommene Pflanzenmaterial sollte vollständig an Land gebracht werden. Werkzeuge, Boote und weitere Ausrüstung sollten anschließend gründlich gereinigt werden, damit keine Pflanzenfragmente in ein anderes Gewässer verschleppt werden.
3. Genutzte Bereiche gezielt freihalten
In größeren Seen ist eine vollständige Entfernung häufig weder realistisch noch ökologisch sinnvoll. Dort können Badebereiche, Bootsanleger, Fahrrinnen oder technische Einrichtungen gezielt freigehalten werden.
Mähboote können die Pflanzen kurzfristig reduzieren. Das Schnittgut muss jedoch aus dem Wasser aufgenommen werden. Da die Bestände häufig nachwachsen, sind solche Maßnahmen als wiederkehrende Gewässerunterhaltung und nicht als dauerhafte Beseitigung zu verstehen.
4. Beschattung prüfen
Wasserpest ist für ihr Wachstum auf Licht angewiesen. In kleineren und geeigneten Gewässern können beschattende Ufergehölze oder zeitweise Abdeckungen das Wachstum begrenzen.
Solche Eingriffe müssen jedoch auf das jeweilige Gewässer abgestimmt werden. Eine starke Beschattung verändert auch die Bedingungen für andere Pflanzen und Tiere. Das Hessische Landesamt nennt unter anderem Abdecken, Ausreißen, Trockenfallenlassen und die Förderung beschattender Ufergehölze als mögliche Kontrollmaßnahmen.
5. Fachbehörden einbeziehen
Insbesondere bei natürlichen Gewässern, größeren Seen oder invasiven Arten sollten Maßnahmen nicht ohne fachliche Abstimmung durchgeführt werden.
Da die Schmalblättrige Wasserpest eine invasive Art von unionsweiter Bedeutung ist, gelten rechtliche Vorgaben für den Umgang mit ihr. Sie darf unter anderem nicht gezielt gehandelt, gehalten oder in andere Gewässer transportiert werden. Für weit verbreitete Bestände werden Managementmaßnahmen durch die Bundesländer festgelegt und im Einzelfall abgewogen.
Wie lässt sich eine weitere Ausbreitung verhindern?
Prävention ist besonders wichtig, weil kleinste Pflanzenfragmente zur weiteren Ausbreitung beitragen können.
Nach dem Aufenthalt an einem Gewässer sollten deshalb:
- Boote und Anhänger kontrolliert werden,
- Paddel, Netze und Angelgeräte gereinigt werden,
- Pflanzenreste von Kleidung und Schuhen entfernt werden,
- gefundene Wasserpflanzen nicht in andere Gewässer umgesetzt werden,
- Aquarien- und Gartenteichpflanzen niemals in der Natur entsorgt werden.
Besonders Kommunen, Vereine und Gewässerbetreiber können durch Hinweisschilder und verständliche Informationen dazu beitragen, die unbeabsichtigte Verschleppung zu reduzieren.
Welche Rolle spielt Gewässermonitoring bei Wasserpest?
Eine Sensorboje kann Wasserpest nicht direkt botanisch bestimmen. Dafür sind Sichtkontrollen, Kartierungen oder fachliche Artbestimmungen notwendig.
Kontinuierliches Gewässermonitoring kann jedoch helfen, die begleitenden Bedingungen im Gewässer besser zu verstehen. Dazu gehören beispielsweise:
- Veränderungen der Wassertemperatur,
- Unterschiede zwischen Oberfläche und Gewässergrund,
- Schwankungen des pH-Werts,
- Veränderungen des Redoxpotenzials,
- saisonale und witterungsbedingte Entwicklungen.
Hydroguard erfasst relevante Wasserparameter kontinuierlich direkt im Gewässer und stellt die Messwerte digital zur Auswertung bereit. Dadurch können Beobachtungen wie ein zunehmender Wasserpflanzenbestand mit zeitlichen Entwicklungen der Wasserparameter in Beziehung gesetzt werden.
Die Daten ersetzen keine Pflanzenkartierung und keine ökologische Fachbewertung. Sie schaffen jedoch eine zusätzliche Datengrundlage, um Veränderungen nachvollziehbarer zu dokumentieren und Maßnahmen langfristig zu begleiten.
Wasserpest und Blaualgen: Gibt es einen Zusammenhang?
Wasserpest und Blaualgen sind grundsätzlich unterschiedliche Organismengruppen. Wasserpest ist eine höhere Wasserpflanze, während Blaualgen beziehungsweise Cyanobakterien mikroskopisch kleine Organismen sind.
Beide können jedoch von den Bedingungen im Gewässer beeinflusst werden. Lichtverfügbarkeit, Temperatur, Nährstoffe, Wasserstand und Durchmischung spielen für die Entwicklung aquatischer Lebensgemeinschaften eine wichtige Rolle.
Ein dichter Wasserpestbestand bedeutet daher nicht automatisch, dass auch ein Blaualgenproblem besteht. Ebenso lässt sich aus dem Rückgang der Wasserpest nicht direkt auf eine Verbesserung oder Verschlechterung der Wasserqualität schließen.
Entscheidend ist, verschiedene Beobachtungen und Messdaten gemeinsam zu betrachten.
Fazit: Wasserpest differenziert bewerten statt vorschnell entfernen
Wasserpest ist nicht grundsätzlich schädlich. Sie kann Lebensraum und Nahrung für Gewässerorganismen bieten und tritt teilweise gerade in klaren Gewässern besonders stark auf.
Zur Herausforderung wird sie, wenn sie dichte Dominanzbestände bildet, andere Arten beeinträchtigt, technische Anlagen stört oder Baden, Wassersport und Gewässerunterhaltung erschwert.
Eine dauerhafte vollständige Entfernung ist häufig kaum möglich. Sinnvoller ist deshalb meist ein standortbezogenes Management aus regelmäßiger Beobachtung, gezielter mechanischer Reduzierung, Vermeidung der Verschleppung und fachlicher Abstimmung.
Kontinuierlich erfasste Gewässerdaten können dabei helfen, Veränderungen über längere Zeiträume zu dokumentieren und die Entwicklung des Gewässers besser zu verstehen.
Hydroguard unterstützt Kommunen, Betreiber und Projektpartner mit autonomen Sensorbojen und einer digitalen Monitoring-Plattform. So werden Veränderungen der Wasserqualität nicht nur punktuell, sondern über ihren zeitlichen Verlauf sichtbar.
Häufige Fragen zur Wasserpest
Ist Wasserpest giftig?
Die Schmalblättrige Wasserpest gilt nicht als giftig. Probleme entstehen vor allem durch ihre starke Ausbreitung und die damit verbundenen Einschränkungen für Gewässernutzung und -unterhaltung.
Muss Wasserpest immer entfernt werden?
Nein. Kleine oder ökologisch unproblematische Bestände müssen nicht zwangsläufig entfernt werden. Maßnahmen sind vor allem dann sinnvoll, wenn Nutzungsbereiche, technische Einrichtungen oder andere ökologische Funktionen deutlich beeinträchtigt werden.
Kann man Wasserpest aus einem See vollständig entfernen?
Bei großen und bereits etablierten Beständen ist eine vollständige Entfernung meistens nicht realistisch. Mechanische Maßnahmen reduzieren die Pflanzen häufig nur vorübergehend.
Vermehrt sich Wasserpest durch abgeschnittene Pflanzenteile?
Ja. Abgebrochene Stängelstücke können weitertransportiert werden und neue Pflanzenbestände bilden. Deshalb müssen Schnittgut und lose Pflanzenfragmente möglichst vollständig aus dem Wasser entfernt werden.
Bedeutet viel Wasserpest eine schlechte Wasserqualität?
Nein. Starke Wasserpflanzenbestände können auch in klarem Wasser auftreten. In den Ruhrstauseen wird das Pflanzenwachstum teilweise mit der durch verbesserte Abwasserreinigung gestiegenen Klarheit des Wassers in Verbindung gebra




